12. Dezember 2020 / Allgemeines

Was Rassismus für die Identität von Gesellschaften bedeutet

Zentrum für interdisziplinäre Forschung organisiert Online-Tagung

Veröffentlicht am 12. Dezember 2020 um 01:00 Uhr

Zu jeder Nation gehört die Vorstellung, dass ihre Mitglieder durch bestimmte Gemeinsamkeiten verbunden sind. Die Nation erscheint als eine Gemeinschaft von Menschen – und das obwohl sich diese Menschen persönlich zum größten Teil nie begegnen werden. Welche Bedeutung haben Rassismus und Rassekonstruktionen für die Identität von nationalstaatlich verfassten Gesellschaften? Das diskutieren Wissenschaftler*innen am 17. und 18. Dezember auf der interdisziplinären Online-Tagung „Rasse und das Imaginäre von Gesellschaft im Zeitalter der Migration“. Die Konferenz wird vom Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld organisiert.

Wer zu einer Gesellschaft gehört und wer „anders“ ist, sei vor allem das Ergebnis von Vorstellungen, die gepflegt, und von Geschichten, die erzählt werden, sagt Professor Dr. Paul Mecheril, der an der Universität Bielefeld Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Migration lehrt. Er leitet die Online-Tagung Mitte Dezember.

Die Vorstellungen zur Zugehörigkeit bekommen Mecheril zufolge in einer Zeit zunehmender Migration eine konkrete Bedeutung: „Die nationalstaatliche Ordnung ist darauf angewiesen, Fragen der Zugehörigkeit zu beantworten, zu klären, wer Bürger*in eines Landes ist und wer nicht. Und diese Bestimmung und Vorstellung des Eigenen stabilisiert sich durch den Bezug auf die erdachten und phantasierten Anderen“, sagt der Forscher. 

„Auf unserer Tagung möchten wir aus dem Blickwinkel der Rassismus-Theorie auf das Imaginäre von Gesellschaft schauen“, so Paul Mecheril. Zwar habe sich die deutsche und die europäische Gesellschaft schon lange den Antirassismus auf die Fahnen geschrieben. Auch seien sich Wissenschaftler*innen längst einig, dass es keine menschlichen Rassen gibt. Dennoch spielen Rassekonstruktionen laut Mecheril immer wieder eine Rolle, wenn es darum geht, die Zugehörigkeit und Identität von Menschen zu definieren.

Um der Rolle nachzugehen, die Rassekonstruktionen bei der Konstruktion von deutscher und europäischer Identität zukommt, wird es auf der Tagung neben Vorträgen vor allem moderierte Zweiergespräche zwischen den 20 Wissenschaftler*innen geben. In den Gesprächen soll deutlich werden, wie Forschende aus Disziplinen wie Migrationsforschung, Pädagogik, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Geschichte, Germanistik, Kulturanthropologie und Politikwissenschaft das Thema Migration angehen. 

Ebenfalls auf dem Programm: Eine Lesung der Autorin und Rassismusforscherin Pasquale Virginie Rotter und eine Performance der Künstlerin Soyong Ki. 

Die Tagung ist die erste des neuen Arbeitsbereichs Migration der Fakultät für Erziehungswissenschaften der Universität Bielefeld und ist als Startschuss einer mehrjährigen Forschungskooperation geplant. 

Für Interessierte ist eine Teilnahme an der Online-Tagung möglich. Dazu wird um Anmeldung im ZiF-Tagungsbüro bei trixi.valentin@uni-bielefeld.de gebeten. Journalist*innen sind herzlich eingeladen, über die Tagung zu berichten. Die Tagungssprache ist Deutsch.

Weitere Informationen:
Website der Tagung mit Programm und Link zur Teilnahme 

Wer zu einer Gesellschaft gehört und wer „anders“ ist, sei das Ergebnis von Vorstellungen, die gepflegt, und von Geschichten, die erzählt werden, sagt Tagungsleiter Professor Dr. Paul Mecheril. Foto: Universität Bielefeld

Meistgelesene Artikel

Steht der heißeste Juni-Tag jemals bevor? 41 Grad möglich
Aus aller Welt

Das Hoch «Hartmut» bringt nicht nur tagsüber Hitze, sondern auch nachts kaum Abkühlung. Der Wetterdienst rät deshalb, lange Aufenthalte draußen zu vermeiden.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Traktor überschlägt sich: Vater und sechsjährige Tochter tot
Aus aller Welt

Das Fahrzeug gerät auf einem Wiesenhang ins Rutschen. Der Fahrer hat seine zwei Töchter an Bord. Der Mann und das ältere Mädchen sterben. Die jüngere Tochter wird erst nach Stunden lebend gefunden.

weiterlesen...
Frau in Kelkheim getötet - «Ich bin um mein Leben gerannt»
Aus aller Welt

Eine Frau wird mutmaßlich von ihrem Ehemann mitten in Kelkheim getötet. Zeugen berichten von Todesangst. Unter die Trauer mischt sich auch Wut: Schon wieder ist es eine getötete Frau.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Danne Holding verlängert Ärmelpartnerschaft mit Arminia Bielefeld
Allgemeines

Danne Holding verlängert den Vertrag als Ärmelpartner des DSC Arminia Bielefeld.

weiterlesen...
Warum unsere Augen im Winter schneller müde werden – besonders beim Autofahren
Allgemeines

Was Dunkelheit, Licht, Heizungsluft und Klima mit dem Sehen am Morgen und am Abend machen

weiterlesen...