9. Dezember 2021 / Allgemeines

Eine neue Epoche der Energieversorgung

60 Jahre Erdgas in Bielefeld – Stadt war Vorreiter in ganz NRW

Die Stadtwerke Bielefeld blicken auf ein besonderes Jubiläum: Seit 60 Jahren versorgen sie ihre Kunden mit Erdgas. Am 4. Dezember 1961, um 15.58 Uhr, wurde in Vilsendorf die erste Erdgasflamme für den Großraum Bielefeld entzündet. Die Stadt war damit Vorreiter in Nordrhein-Westfalen. „Eine neue Epoche in der Energieversorgung unserer Stadt“ jubelte die Presse vor sechs Jahrzehnten zu diesem Anlass. Es war der Beginn einer Entwicklung, die Erdgas im Laufe der Zeit zum dominierenden Energieträger auf dem Wärmemarkt in Bielefeld machen sollte.

Die Gasversorgung selbst hat in Bielefeld sogar noch eine sehr viel längere Tradition. Vor 165 Jahren, im Jahre 1856, bauten die Bielefelder ihr erstes städtisches Gaswerk auf einem Gelände zwischen Herforder Straße und FriedrichEbert-Straße. Das in dem kommunalen Werk erzeugte Gas diente zunächst als „Leuchtgas“ zur Beleuchtung öffentlicher Straßen und Plätze und als Lichtquelle in Wohnungen und Geschäften. Erst später wurde es als „Stadtgas“ bezeichnet und zusätzlich zum Antrieb von Maschinen und in Haushalten zum Kochen und Heizen genutzt.

Bis Ende der 1950er-Jahre versorgten die Stadtwerke 17.400 Häuser mit Stadtgas. Zu dieser Zeit begann sich der Erdgasmarkt zunehmend von der beschränkten örtlichen Stadtgasproduktion über das überregionale Verbundnetz hin zum internationalen Erdgasmarkt zu verschieben. Es wurden immer mehr Erdgaslagerstätten entdeckt. Das begünstigte diese Entwicklung zusätzlich. Hinzu kam die Situation, dass sich die bei der Stadtgasproduktion anfallenden Nebenprodukte wie zum Beispiel Koks, immer schwerer absetzen ließen, da es zunehmend von der neuen Heizenergie Öl verdrängt wurde.

Bielefeld Vorreiter bei der Erdgasumstellung
1961 entschlossen sich die Stadtwerke Bielefeld deshalb zur Umstellung der Stadtgasversorgung auf das moderne, umweltfreundliche Erdgas. Die Stadtwerke bauten eine Erdgas-Übergabestation in Vilsendorf. Sie stellte die Verbindung zu einer 96 km langen Hochdruckleitung her, welche die Erdgaslieferanten zum Transport des Erdgases von den Fördergebieten rund um Goldenstedt/Oldenburg nach Vilsendorf in nur vier Monaten gelegt hatten. So konnte Bielefeld als erste Großstadt in NRW ihre Gasversorgung von Stadtgas auf Erdgas umstellen. Die Erdgasübergabestation in Vilsendorf war auch der Schauplatz für die offizielle Erstentzündung einer Erdgasflamme am 4. Dezember 1961. Nur wenige Tage zuvor, am 30. November, hatte es abends im Rahmen einer Probeabfackelung eine hohe und weithin sichtbare Flamme gegeben, die zunächst zu großer Unruhe bei der Bielefelder Bevölkerung geführt hatte.

Von 1961 bis 1963 stellten die Stadtwerke Bielefeld schließlich nach und nach alle gasversorgten Haushalte undgewerblichen Betriebe auf die neue Energie Erdgas um, deren Brennwert doppelt so hoch war wie der des Stadtgases. Als erstes Gerät wurde in Schildesche der Bunsenbrenner einer Apotheke umgerüstet. Insgesamt haben die Stadtwerke im Verlauf der zwei Jahre andauernden Umstellungsarbeiten die Gasgeräte in mehr als 17.400 Häusern auf ihre Tauglichkeit überprüft und gegebenenfalls erneuert. Wenn sich eine Umrüstung nicht mehr lohnte, stellten die Stadtwerke in Zusammenarbeit mit dem Kundenberatungszentrum „Haus der Technik“ und dem Fachhandel zu günstigen Bedingungen neue Geräte auf.

Ausbau der Erdgasversorgung
Bei der Energieversorgung der Stadt hat Erdgas im Laufe der Jahrzehnte eine immer wichtigere Rolle eingenommen. Im Jahr 2020 wurden in Bielefeld insgesamt 3,53 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Erdgas eingesetzt. Gefördert wird der Brennstoff allerdings nicht direkt in Bielefeld. Das Gas kommt über ein Pipelinesystem aus Süd-Oldenburg, den Niederlanden und Russland nach Ostwestfalen. Das heutige Gasverteilungsnetz im Stadtgebiet umfasst knapp 1.300 Kilometer, 130 Kilometer im Hochdrucknetz und 1.150 Kilometer im Mitteldruck/Niederdruck. Dazu kommen noch 531 Kilometer Hausanschlussleitungen, für deren Betrieb die Bielefelder Netz GmbH zuständig ist.

Inzwischen deckt das im Vergleich zu Kohle und Öl umweltschonendere Erdgas zu weit mehr als der Hälfte den Raumwärmebedarf in Bielefeld ab.

Umstellung auf H-Gas
Im Jahr 2026 kommt auf die Stadtwerke mit der Umstellung von L-Gas auf H-Gas die nächste große Herausforderungzu. Ab diesem Zeitpunkt ersetzt das H-Gas mit seinem höheren Brennwert die bisherige Gas-Art. Wie in den 1960er-Jahren wird damit eine umfangreiche Umstellung von Gasverbrauchsgeräten einhergehen. Aktuell rechnen die Stadtwerke Bielefeld damit, dass mehrere zehntausend Geräte auf die H-Gas-Verbrennung umgerüstet werden müssen.

Zudem arbeitet der Energieversorger bereits heute an Ideen, das Erdgas durch die Beimischung von klimaneutralen Gasen zu vergrünen und damit den CO2-Ausstoß von Erdgas in Zukunft zu reduzieren.

Eine heutige Erdgas Konditionierungsanlage der Stadtwerke Bielefeld. Foto: Veit Mette/Stadtwerke Bielefeld
 
 

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