Durch unsere Heimatstadt gehen wir oft ganz automatisch. Wir kennen die Wege, die Gebäude, die Lieblingsläden. Längst schauen wir nicht mehr so genau hin wie in einer fremden Stadt, die es zu entdecken gilt. Heute wollen wir Bielefeld einmal neu entdecken.
Wir nehmen euch mit auf einen Spaziergang und richten den Blick auf etwas, das uns an vielen Orten begegnet und doch oft unbeachtet bleibt – an Fassaden, unter unseren Füßen, in historischen Details und modernem Interior. Manchmal braucht es nur einen anderen Blick, um Vertrautes neu zu entdecken.
Unser erster Stein ist 120 Millionen Jahre alt – und steht mitten in Bielefeld
Die Bielefelder Kunsthalle, der markante Bau von Philip Johnson aus rotem Mainsandstein, ist der Startpunkt unseres Spaziergangs. Wer nicht nur einen Blick auf das Gebäude wirft, sondern auch die Hand auf die Fassade legt, spürt die feinen Rillen im Stein. Johnson ließ den roten Stein von Hand scharrieren – mit feinen Rillen, die dem eigentlich matten Material Struktur und Lebendigkeit geben.
Seine rote Farbe stammt übrigens von Eisenoxid, das jedes Sandkorn wie ein feines Häutchen umgibt. Der Mainsandstein entstand in einem trockenen Wüstenklima ähnlich der heutigen Sahara. Millionen Jahre Geschichte zum Anfassen.
Wir nehmen die Hand von der Fassade und gehen weiter durch den Skulpturenpark Richtung Waldhof zum Ratsgymnasium, einem klassischen Gebäude im Stil der Weserrenaissance. Spaß an Details? Dann lohnt sich ein Blick nach oben. Wer genau hinschaut, entdeckt im Sandsteingiebel das filigrane Stadtwappen der Stadt Bielefeld von 1869.
Naturstein kann Geschichte. Aber Naturstein kann auch Nachtleben.
Vom Ratsgymnasium geht es Richtung Altstadt über Waldhof und Obernstraße und anschließend hinunter zum Gehrenberg. Dort erstrahlt hinter den Türen der GUI Bar eine ganz andere gestalterische Dimension des Natursteins. Die Theke aus Cosmic Gold – tiefes Schwarz, durchzogen von goldenen Strukturen – gibt dem Raum eine ganz besondere Atmosphäre. Der perfekte Ort für eine kurze Pause.
Cosmic Black ist ein Gneis aus Brasilien – und mit rund 1.000 Millionen Jahren einer der ältesten Steine, die du in Bielefeld finden kannst. Viermal so alt wie der Mainsandstein an der Kunsthalle.
Wir bleiben auf einen Drink, genießen die Atmosphäre und nehmen uns Zeit, um zu spüren, wie Naturstein nicht nur draußen, sondern auch drinnen Räume prägen kann, bevor wir unseren Spaziergang in Richtung Gehrenberg fortsetzen.
Naturstein als Rahmen für besondere Dinge
Auch hier glitzert und funkelt es, doch diesmal ist es nicht der Naturstein selbst, der uns in seinen Bann zieht, sondern das, was er rahmt.
Unter Rundbögen aus dem Sandstein Pietra Dorata aus der Toskana fällt unser Blick auf die Auslagen des Juweliers Böckelmann am Alten Markt. Naturstein tritt einen Schritt zurück und gibt anderen Dingen den großen Auftritt. Mit seiner gold-schimmernden, geschliffenen Oberfläche ist er ein würdiger Rahmen für exklusive Träume: in Gold gefasste Brillanten, zeitloses Uhrendesign und Schmuckstücke, bei denen man unwillkürlich einen Moment länger stehen bleibt.
Übersetzt heißt Pietra Dorata „goldener Stein“, der wohl perfekte Name für diesen Ort.
Kleiner Stein mit großer persönlicher Bedeutung
Nicht immer sind es die großen Natursteinflächen, die eine Geschichte erzählen. Manchmal ist es ein einzelnes Stück Stein neben einer Eingangstür.
Eine solche Geschichte erzählt ein Stein aus Kirchheimer Muschelkalk in der Niedernstraße 12. In dem Gebäude, das heute ein Geschäft beherbergt, flimmerten bis 2000 Filme des Traditionskinos Gloria über die Leinwand. 2018 wurde die Fassade vom Bielefelder Natursteinfachbetrieb FACH saniert.
Marc Helleberg, heutiger Geschäftsführer des Unternehmens, hat eine ganz besondere Erinnerung an dieses Projekt:
„Das war mein erster Einsatz an einer Natursteinfassade. Ich habe mich speziell um die mit Naturstein belegte Abdeckung des Löschwasseranschlusses gekümmert, rechts neben der Haupteingangstür zum Ladenlokal. Eine ganz kleine Kleinigkeit, aber mir wird sie immer in Erinnerung bleiben.“
Ein kleiner Stein. Eine persönliche Erinnerung. Und ein Stück Stadtgeschichte, das vermutlich niemand kennt, der täglich an ihm vorbeigeht.
Der Name Muschelkalk verrät übrigens: Der Stein entstand vor rund 240 Millionen Jahren in einem flachen tropischen Meer – und ist voller Muschelfossilien. Hier lohnt sich ein genauer Blick, bevor wir uns vom Trubel der Fußgängerzone verabschieden.
Historische Fassaden rund um das Alte Rathaus
Wir wenden uns einem anderen zentralen Ort zu. Wir nehmen Platz auf den Stufen vor dem Alten Rathaus, das heute das Stadttheater beherbergt, und beobachten das Treiben auf dem Rathausplatz.
In besonders guten Zeiten werden hier sportliche Erfolge bejubelt, wenn Arminia Bielefeld auf dem Balkon gefeiert wird. Heute bleibt es still auf dem Balkon. Unser Blick wandert stattdessen über die Fassade.
Grob behauene Steinquader treffen auf fein ausgearbeitete Details. Erker, Ornamente, Gesimse und Schmuckgiebel gliedern die Fassade. Wieder zeigt sich, wie viel Gestaltung in einem Material steckt, das auf den ersten Blick einfach nur Stein zu sein scheint.
Ist das etwa auch Naturstein?
Zum Abschluss geht es über die Turnerstraße Richtung Kesselbrink. Der Stadtraum wird moderner, die Architektur klarer. Und doch begegnen uns auch hier millionenalte Materialien.
An der Volksbank zeigt sich Naturstein von einer ganz anderen Seite: Die reduzierte Fassade aus Jura Beige wird von markanten Säulen aus Verde Vittoria getragen. Keine Erker, keine Ornamente, keine historischen Schmuckgiebel. Klare Linien statt historischer Formensprache.
Wir treten ein ins Café im Foyer, bestellen Milchkaffee, setzen uns an das große Fenster und lassen den Blick über den Kesselbrink schweifen. Gegenüber entdecken wir die moderne Fassade eines Geschäftsgebäudes. Und plötzlich stellt sich die Frage: Ist da etwa schon wieder Naturstein?
Naturstein ist in Bielefeld überall
Wer einmal anfängt, auf Naturstein zu achten, wird ihn in Bielefeld plötzlich überall sehen: in historischen Fassaden, in modernen Gebäuden, in unscheinbaren Details. Millionen Jahre Erdgeschichte gehören in Bielefeld selbstverständlich zum Stadtbild.
Man muss nur anfangen, hinzusehen.
Weitere Informationen zum Unternehmen gibt es unter www.fach.de.

