3. Juni 2026 / Lokalnachrichten Ostwestfalen

Ostwestfalens Exporte sinken, Firmen bleiben optimistisch

Ostwestfalen erlebt einen Exportdruck, Unternehmen investieren dennoch in neue Märkte.

Ostwestfalens Exporte sinken, Firmen bleiben optimistisch
Veröffentlicht am 3. Juni 2026 um 10:24 Uhr

Ostwestfalens Exporte sind weiterhin unter spürbarem Druck. Laut aktuellem Exportbarometer der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) sind die Auslandsumsätze der Unternehmen im Jahr 2025 um 4,6 Prozent erneut gesunken – nach einem bereits deutlichen Rückgang von fast 10 Prozent im Vorjahr. Für 2026 überwiegt dennoch vorsichtiger Optimismus: 59 Prozent der Unternehmen erwarten steigende Auslandsumsätze, nur 9 Prozent gehen von einem Rückgang aus. „Gerade in unsicheren Zeiten setzen viele Betriebe auf neue Märkte, Diversifizierung und Investitionen in Regionen mit Wachstumspotenzial“, erläutert IHK-Präsident Jörn Wahl-Schwentker.

Die Entwicklung der Auslandsumsätze verlief dem Exportbarometer nach innerhalb Ostwestfalens sehr unterschiedlich. Den stärksten Zuwachs im Auslandsgeschäft verzeichnete 2025 der Kreis Minden-Lübbecke mit plus 1,3 Prozent, gefolgt vom Kreis Herford mit einem leichten Plus von 0,2 Prozent. Demgegenüber musste die Stadt Bielefeld mit minus 13,4 Prozent den deutlichsten Rückgang hinnehmen. Auch die Kreise Gütersloh (–6,2 Prozent), Paderborn (–4,7 Prozent) und Höxter (–4,2 Prozent) lagen im Minus.

„Das Exportbarometer macht deutlich, dass unsere Unternehmen im internationalen Geschäft weiterhin unter schwierigen Marktbedingungen leiden“, betont Dr. Maurice Eschweiler, Vorsitzender des IHK-Außenwirtschaftsausschusses. 52 Prozent der befragten Unternehmen nennen Handelshemmnisse als wichtigsten Einflussfaktor auf ihr internationales Geschäft. Speziell zunehmende Unsicherheiten in den Zielmärkten zählten dazu, ebenso bürokratische Anforderungen, komplexe Zoll- und Nachweispflichten und Zertifizierungsanforderungen. Hinzu kämen häufig Sanktionen, Exportkontrollen, lokale Marktzugangsbeschränkungen und eine insgesamt zunehmende Unsicherheit durch geopolitische Spannungen. Auch die US-Handelspolitik unter Präsident Trump wirke sich spürbar aus. 71 Prozent der Unternehmen berichten von negativen Auswirkungen. Das betrifft nicht nur direkte Geschäfte mit den USA, sondern auch indirekte Folgen über Lieferketten, Preisentwicklungen und eine allgemein verunsicherte Investitionsplanung. Für viele Betriebe bedeutet dies, dass Exportmärkte stärker abgesichert, Risiken breiter verteilt und Geschäftsbeziehungen intensiver geprüft werden müssen. „Dafür brauchen sie aber verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie“, unterstreicht Wahl-Schwentker.

Auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen selbst werden von den Unternehmen als belastend wahrgenommen. 77 Prozent nennen sie als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung. Damit sind vor allem unklare politische Signale, eine hohe Regulierungslast, lange Genehmigungsverfahren und eine fehlende Verlässlichkeit bei wirtschaftlichen Entscheidungen gemeint. Dazu kommen 73 Prozent der Unternehmen, die Arbeitskosten als Risiko nennen sowie 70 Prozent, die die Inlandsnachfrage als Risiko ansehen.

Trotz dieser Belastungen sei die Investitionsbereitschaft im Ausland hoch. 38 Prozent der befragten Unternehmen wollen ihre Auslandsinvestitionen ausweiten. Im Vorjahr waren es hingegen nur 18 Prozent. Als wichtigste Zielregion gelten Ost- und Südosteuropa sowie die Türkei, die von 74 Prozent der Unternehmen genannt werden. Aber auch China bleibt für 61 Prozent der Betriebe ein attraktiver Markt. „Die Exportwirtschaft ist widerstandsfähig“, sagt Dr. Eschweiler. „Gerade deshalb sind verlässliche Handelsbeziehungen, offene Märkte und ein Abbau von Hemmnissen für die regionale Wirtschaft von großer Bedeutung.“

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