Wenn Handwerkerinnen und Handwerker einmal nicht auf der Baustelle, in der Werkstatt oder beim Kunden unterwegs sind, sondern 24 Stunden lang an Laptops tüfteln, passiert etwas Besonderes. So geschehen am vergangenen Donnerstag und Freitag am Campus Handwerk in Bielefeld: Dort fand der zweite KI-Hackathon der Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld statt – ein intensiver Lern- und Entwicklungsworkshop, bei dem vier Handwerksbetriebe in kurzer Zeit eigene Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz auf die Beine stellten. Unter dem Dach der Initiative Handwerk meets Neuland ging es darum, die Digitalisierung nicht länger zu diskutieren, sondern sie ganz konkret anzupacken.
Damit wird die Brücke in den derzeit entstehenden Neuland Campus in Rietberg geschlagen, an dem die Kreishandwerkerschaft als Teil der Betreibergesellschaft beteiligt ist. Der Hackathon war damit nicht nur ein spannendes Experimentierfeld für die Betriebe, sondern auch ein Vorgeschmack auf das, was künftig am Campus in Rietberg regelmäßig stattfinden soll.
Ideen, die ins Arbeiten kommen
Geleitet wurde der Hackathon von Prof. Dr. Stefan Wittenberg von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Gemeinsam mit seinem Team zeigte er, wie schnell sich KI in echte, betriebliche Lösungen verwandeln kann. Unterstützt von Fachleuten aus dem KI- und Handwerksumfeld entwickelten die teilnehmenden Betriebe individuelle Anwendungen, die reale Alltagsprobleme lösen sollen. Mit dabei waren Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Gewerken – vom Maler- und Tischlerhandwerk bis hin zu zwei Betrieben aus der SHK-Branche. Alle einte ein Ziel: den eigenen Betrieb mithilfe von KI ein Stück effizienter, moderner und damit noch attraktiver zu machen.
reishandwerksmeister Frank Wulfmeyer, der die Veranstaltung begleitete, zeigte sich beeindruckt: „Was hier in etwas mehr als 24 Stunden entstanden ist, ist echtes Handwerk – nur eben digital. Unsere Betriebe haben gezeigt, dass Innovation und Tradition sich wunderbar ergänzen können.“
Vom Reden zum Machen
In den vier Teams wurde entwickelt, programmiert und getestet – und zwar an ganz konkreten Themen: vom Wissensmanagement für Mitarbeitende über Produktdatenbanken bis hin zu digitalen Assistenten, die helfen, Gefährdungsbeurteilungen schneller zu erstellen. Die Aufgaben waren real, die Motivation spürbar – und die Ergebnisse am Ende überraschend weit.
Nach den Abschlusspräsentationen bewerteten sich die Teams gegenseitig. Als Sieger des Hackathons ging das Team der Malermeister Holger Rathmann GmbH & Co. KG aus Bielefeld hervor. Ihr Konzept: ein intelligenter Assistent, der Produktwissen im Betrieb verfügbar macht und Fragen zur richtigen Verarbeitung von Lacken oder Beschichtungen beantwortet. Ausschlaggebend waren vor allem Teamgeist und Durchhaltevermögen – das Maler-Team hatte in den 24 Stunden den größten Fortschritt auf dem Weg zu seiner Zielanwendung erzielt.
Auch die anderen Teams lieferten beachtliche Ergebnisse. Die Philipp GmbH & Co. KG arbeitete an einer KI-Lösung, die Handwerksbetriebe bei der Dokumentation von Gefährdungsanalysen unterstützt – ein echter Bürokratie-Entlastungsansatz. Die Henrich Schröder GmbH aus Gütersloh entwickelte den Prototyp einer Wissensdatenbank für Monteure, während die Tischlerei Niehaus aus Bielefeld an einem universalen „Firmenhandbuch“ arbeitet, das Mitarbeitende mit KI-Hilfe durch alltägliche Fragen zu Maschinen, Produkten oder Verwaltungsabläufen führt.
Preise, Perspektiven und ein Blick nach vorn
Zur Preisverleihung am zweiten Tag kam der Geschäftsführer des Neuland Campus Michael Steinberg. Er überreichte dem Siegerteam eine kostenlose Teilnahme an einer Schulungsveranstaltung aus dem umfangreichen Weiterbildungsangebot des Neuland Campus und betonte, dass bereits jetzt erste Kurse über die Neuland Campus App gebucht werden können. Zusätzlich erhielten alle Teilnehmenden einen gesponserten Impulstag, der nach der offiziellen Eröffnung des Campus ab Juni im dortigen Co-Working-Bereich im kommenden Jahres eingelöst werden kann.
Fortsetzung folgt
Auch die Kreishandwerkerschaft zieht ein durchweg positives Fazit. Kreishandwerksmeister Frank Wulfmeyer betonte, dass die Resonanz auf den Hackathon zeige, wie groß die Lust auf Digitalisierung im Handwerk inzwischen sei. „Das Handwerk kann KI – und wer sich traut, gewinnt“, so Wulfmeyer. „Wir werden das Format gemeinsam mit dem Neuland Campus fortsetzen und durch aufbauende Veranstaltungen ergänzen. Denn KI im Handwerk funktioniert dann am besten, wenn sie aus dem Handwerk heraus entsteht.“
Quelle: Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld (kh-gt-bi.de.de)

