28. Juli 2026 / Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

100 Jahre Salon Wiebach-Wehse: Ein Stück Gellershagener Geschichte

Ein buntes Kommen und Gehen, viele vertraute Gesichter und Erinnerungen aus einem ganzen Jahrhundert: Mit einem...

Veröffentlicht am 28. Juli 2026 um 10:46 Uhr

Ein buntes Kommen und Gehen, viele vertraute Gesichter und Erinnerungen aus einem ganzen Jahrhundert: Mit einem fröhlichen Fest hat der Salon Wiebach-Wehse sein 100-jähriges Bestehen gefeiert. Bei Sekt und Bratwurst kamen Kundinnen und Kunden, Freunde, Nachbarn und Wegbegleiter miteinander ins Gespräch. Alte Fotografien ließen dabei die Entwicklung des Salons und zugleich ein Stück Gellershagener Stadtteilgeschichte lebendig werden.

Der Innungsbetrieb gehört seit Generationen fest zur Nachbarschaft. Viele Kundinnen und Kunden halten dem Salon bereits seit Jahrzehnten die Treue – manche Familien über mehrere Generationen hinweg. Entsprechend herzlich und persönlich fiel das Jubiläumsfest aus.

Die Anfänge reichen noch weiter zurück

Die Geschichte des heutigen Salons begann 1926, als Arthur Wiebach an der Langen Straße einen reinen Herrensalon eröffnete. Die Wurzeln des Betriebs reichen sogar noch zwei Jahre weiter zurück: Bereits 1924 hatte Wiebach in einem kleinen Pavillon an der Sudbrackstraße erstmals Kunden die Haare geschnitten.

Termine, wie sie heute selbstverständlich sind, gab es damals noch nicht. „Mein Großvater hat immer erzählt, dass die Kunden die ganze Straße entlang Schlange standen“, berichtet die heutige Inhaberin Tamara Hammer.

Seit 1926 ist der Salon an seinem heutigen Standort an der Langen Straße zu Hause. In dieser Zeit hat sich sein Erscheinungsbild grundlegend gewandelt. Wo heute offene und modern gestaltete Räume die Kundinnen und Kunden empfangen, befanden sich früher noch einzelne Kabinen. Später wurden dort auch Damen frisiert.

1969 übernahm Hammers Mutter Gisela Weiß den Familienbetrieb. Ihre Ausbildung hatte sie im Schildescher Salon von Ernst Höner erfolgreich absolviert. Passend zur Übernahme erwarb sie zudem ihren Meistertitel. 1978 gestaltete sie den Salon noch einmal grundlegend um – oder sie zog ihn, wie ihre Tochter es beschreibt, „einmal komplett auf links“.

Auch ihr Mann Dietmar Weiß unterstützte den Betrieb. Der gelernte Maler absolvierte eine zweite Ausbildung zum Herrenfriseur und arbeitete anschließend viele Jahre an der Seite seiner Frau im Salon. Zeitweise beschäftigte Gisela Weiß bis zu fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die dritte Generation setzt die Geschichte fort

2007 übernahm Friseurmeisterin Tamara Hammer den Salon in dritter Generation. Ihre Ausbildung absolvierte sie bei Gerd Diekmann, dem damaligen Obermeister der Friseur-Innung Bielefeld. Dass sie in die Fußstapfen ihrer Mutter und ihres Großvaters treten wollte, sei ihre eigene Entscheidung gewesen – aber eine, die ihr leichtgefallen sei. „Ich wollte immer etwas Kreatives machen. Das passte einfach gut zu mir“, sagt Hammer.

Mit ihr hielten moderne Strukturen Einzug, ohne dass der persönliche Charakter des Salons verloren ging. Im Gegenteil: Das Zwischenmenschliche sei ihr von Anfang an besonders wichtig gewesen. „Ich wollte nie, dass unsere Kundinnen und Kunden nur Nummern sind.“ Die lange Theke im Salon steht sinnbildlich für diesen Anspruch: Sie ist nicht nur Arbeitsplatz, sondern auch ein Ort für Begegnungen und Gespräche.

Anerkennung für eine besondere Leistung

Zum Jubiläum gratulierten der Präsident der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld, Peter Eul, Kreishandwerksmeister Frank Wulfmeyer, der Obermeister der Friseur-Innung Bielefeld, Markus Turri, seine Stellvertreterin Bettina Niese, sowie Innungsgeschäftsführer Thomas Scholten.

Kreishandwerksmeister Frank Wulfmeyer würdigte die besondere Leistung der Familie: „Einen Handwerksbetrieb über 100 Jahre und inzwischen in dritter Generation erfolgreich zu führen, verdient großen Respekt. Der Salon Wiebach-Wehse zeigt, wie Tradition, handwerkliches Können und die Bereitschaft zur Weiterentwicklung miteinander verbunden werden können.“

Auch Obermeister Markus Turri betonte, dass ein solches Jubiläum keineswegs selbstverständlich sei: „Die Rahmenbedingungen, Moden und Erwartungen der Kundschaft haben sich im Laufe der Jahrzehnte immer wieder verändert. Der Salon hat all diesen Veränderungen erfolgreich getrotzt, sich stetig weiterentwickelt und ist bis heute ein fester Bestandteil der Nachbarschaft in Gellershagen.“

Die alten Fotografien beim Jubiläumsfest machten anschaulich, wie viel sich im Laufe eines Jahrhunderts verändert hat – von den Räumen über die Arbeitsweisen bis zu Frisuren und Moden. Zugleich wurde deutlich, was geblieben ist: die Freude am Friseurhandwerk, der persönliche Kontakt und die enge Verbundenheit mit den Menschen im Stadtteil.

Der Salon Wiebach-Wehse beweist damit, dass Tradition nicht Stillstand bedeutet. Altes zu bewahren und zugleich offen für Neues zu bleiben, ist hier seit 100 Jahren Teil des Erfolgs.

Quelle: Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld (kh-gt-bi.de.de)

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