11. August 2025 / Aus aller Welt

Tod eines Jugendlichen in JVA beschäftigt Saar-Landtag

Warum starb ein 15-Jähriger in der Justizvollzugsanstalt Ottweiler? Es gibt Vorwürfe. Der Suizid wird jetzt auch im saarländischen Landtag zum Thema.

Der Suizid eines Jugendlichen in der JVA Ottweiler beschäftigt Justiz und Politik. (Symbolbild)

Der Tod eines Jugendlichen in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Ottweiler ist Thema einer Sondersitzung des Justizausschusses des saarländischen Landtags. Das Gremium komme an diesem Dienstag nicht-öffentlich zusammen, um von Landesregierung und Justiz über den Stand der Dinge detailliert informiert zu werden, teilte ein Sprecher des Landtags mit.

Die Obduktion des 15-Jährigen ergab «keine Hinweise auf Fremdeinwirkung» und «keine äußeren Verletzungszeichen», wie die Staatsanwaltschaft Saarbrücken mitteilte. Der schwarze Jugendliche hatte sich demnach am 1. August in der JVA Ottweiler das Leben genommen. Nach dem Suizid des Jungen wurden Vorwürfe von Gewalt und Rassismus in der Haftanstalt laut. Das saarländische Justizministerium hat «eine vollständige und transparente Aufklärung» angekündigt.

Ermittlungen gegen zwei Justizbeamte

Am Tag nach dem Todesfall kam es zu einem Protest in der Haftanstalt: 17 Gefangene des Jugendvollzugs weigerten sich laut Justizministerium über einen längeren Zeitraum nach der Freistunde, in ihre Hafträume zurückzukehren - und erhoben Vorwürfe wegen der Haftbedingungen sowie gegen einzelne Bedienstete.

Dabei geht es auch um Vorwürfe der Körperverletzung durch Justizbeamte vor dem Tod des Jugendlichen. Es laufen Vorermittlungen in einem sogenannten Verdachtsprüfungsverfahren, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Darin werde überprüft, ob ein Anfangsverdacht «hinsichtlich etwaigen Körperverletzungen zu Lasten des verstorbenen Inhaftierten» vorliege.

Aufgrund weiterer erhobener Vorwürfe sind laut Staatsanwaltschaft gegen zwei Justizbeamte insgesamt drei Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Darin gehe es um Körperverletzung im Amt.

Mutter von Klassenkameradin fordert Gerechtigkeit

In einer Petition an den saarländischen Landtag wird eine «unabhängige und lückenlose Aufklärung» des Todes gefordert. Zudem müssten die beschuldigten Beamten sofort suspendiert werden. Auch «eine grundlegende Überprüfung des Umgangs mit Minderjährigen» und «der Schutz vor rassistischer Gewalt – auch hinter Gefängnismauern» gehören zu den Forderungen.

Der Jugendliche sei «ein fröhlicher, hilfsbereiter Junge» gewesen und habe sich «in einem System, das ihn eigentlich schützen sollte», das Leben genommen, heißt es in der Petition einer Mutter einer Klassenkameradin des Jugendlichen. Sie begleite die Kinder auch als Trauerbegleiterin, schrieb sie.

«Es gilt die Unschuldsvermutung»

Warum der Jugendliche im Gefängnis saß, war zunächst unklar. Die Staatsanwaltschaft könne dazu derzeit «sowohl aus Gründen des Persönlichkeits- als auch des Verfahrensschutzes» keine Auskünfte erteilen, hieß es. Laut Gerichtspressestelle in Saarbrücken befand sich der 15-Jährige aufgrund eines Sicherungshaftbefehls in der JVA. Ein solcher Haftbefehl könne erlassen werden, wenn zu erwarten sei, dass eine Bewährungsstrafe etwa wegen weiterer Straftaten widerrufen werde.

Der Bund Saarländischer Justizvollzugsbediensteter (BSJ) betonte, es handele sich derzeit um ungeklärte Vorwürfe: «Für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen gilt die Unschuldsvermutung.» Der Suizid eines jugendlichen Gefangenen habe Betroffenheit ausgelöst.


Bildnachweis: © Michael Matthey/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Ordnungsamt versteigert Fundsachen
Stadt Bielefeld

Das Ordnungsamt versteigert erneut online Fundsachen, die keine Fahrräder sind.

weiterlesen...
Karneval 2026 in Ostwestfalen-Lippe: Umzüge, Sitzungen und Kinderkarneval
Veranstaltungstipp

Die besten Locations und Parties um Karneval zu feiern

weiterlesen...

Neueste Artikel

Karneval als Krisenschild - Narren feiern im Regen
Aus aller Welt

Schlechtes Wetter? Pah! Als «Urlaub von der Wirklichkeit» ist Karneval nach Experten-Meinung so gefragt, dass ihm auch Regen wenig anhaben kann. Nun ist die «Ablenkung vom Alltag» zurück.

weiterlesen...
Verdächtige Person an Schule? Minderjähriger gefasst
Aus aller Welt

Zahlreiche Polizeikräfte sind auf dem Gelände einer berufsbildenden Schule. Sie suchen eine verdächtige Person. Was bisher bekannt ist.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Karneval als Krisenschild - Narren feiern im Regen
Aus aller Welt

Schlechtes Wetter? Pah! Als «Urlaub von der Wirklichkeit» ist Karneval nach Experten-Meinung so gefragt, dass ihm auch Regen wenig anhaben kann. Nun ist die «Ablenkung vom Alltag» zurück.

weiterlesen...
Verdächtige Person an Schule? Minderjähriger gefasst
Aus aller Welt

Zahlreiche Polizeikräfte sind auf dem Gelände einer berufsbildenden Schule. Sie suchen eine verdächtige Person. Was bisher bekannt ist.

weiterlesen...