2. September 2026 / Aus aller Welt

Test: Schafswolle statt Plastik als Gletscherschutz

Schafswolle stoppt das Gletscherschmelzen genauso gut wie Plastik – und schont dabei die Umwelt. Warum das den Schwund aber kaum stoppen kann.

Schafswolle als Schmelzschutz: Mit Decken sind Bereiche des Tsanfleurongletschers im Schweizer Kanton Wallis abgedeckt.
Veröffentlicht am 2. September 2026 um 16:26 Uhr

Die Alpengletscher schmelzen rasant, mancherorts wird versucht, die Entwicklung mit Plastikplanen aufzuhalten. Jetzt hat ein Versuch unter Beteiligung der Universität Lausanne gezeigt: Decken aus Schafswolle funktionieren offenbar genauso gut. 

Die Umweltorganisation «Summit Foundation» hat im Juni in Les Diablerets in der Westschweiz auf einem Gletscher jeweils 100 Quadratmeter mit verschiedenen Decken aus Schafswolle abgedeckt, daneben ein gleich großes Feld mit synthetischen Geotextilien. Sie nennt das Experiment «Keep it Wool» - ein Wortspiel, das sich auf Englisch reimt mit «Keep it cool». 

Erste Messungen zeigten, dass die Gletscherschmelze unter den Schafswolldecken genauso gut wie bei den Planen mit synthetischen Fasern reduziert worden sei: um 50-70 Prozent, teilt die Organisation mit. 

Mit der Schafswolle bestehe keine Gefahr, dass synthetischen Fasern in den Wasserkreislauf gelangen. Wolle sei ein natürlicher, erneuerbarer und biologisch abbaubarer Rohstoff, der bisher oft ungenutzt bleibe. 

Gletscherabdeckung kann Schwund nicht aufhalten 

Schutzplanen egal welcher Art können die Gletscher allerdings kaum retten. Dafür sind die Verfahren zu aufwendig und zu kostspielig. Nach Angaben der Organisation decken Textilien nur rund 0,02 Prozent der gesamten Schweizer Gletscherfläche ab. «Sie ermöglichen es, jährlich rund 300.000 Kubikmeter Schnee zu erhalten. Das ist wenig im Vergleich zu den fast einer Milliarde Kubikmeter, die jedes Jahr verloren gehen.» 

Zwischen den Jahren 2000 und 2024 haben die Schweizer Gletscher fast 40 Prozent ihres Volumens verloren.


Bildnachweis: © Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

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