5. Mai 2026 / Aus aller Welt

Leipzig nach Amokfahrt: «Wir sind so verletzlich»

Nach der Amokfahrt in Leipzig stehen viele Menschen unter Schock. Am Tatort suchen Passanten Trost, während Ermittler weiter nach Antworten auf die Tat suchen.

Am Tatort haben Menschen mit Blumen und Kerzen ihr Mitgefühl ausgedrückt.
Veröffentlicht am 5. Mai 2026 um 11:36 Uhr

Am Morgen nach der Amokfahrt in Leipzig mit zwei Todesopfern und drei Schwerverletzten herrscht am Tatort Trauer und Wut. Immer wieder kommen Menschen auf dem Weg zur Arbeit am Augustplatz vorbei und äußern ihre Bestürzung. «Ich bin derart erschüttert über die Tat. Es zeigt uns, wie verletzlich wir sind», sagt eine 63-Jährige. Sie fragt sich, wieso ein Mensch so viele andere Menschen in den Tod reißen könne.

Großes Mitgefühl für die Opfer

«Ich fühle mich nicht mehr sicher und gehe bei großen Veranstaltungen in der Stadt immer nur ganz außen am Straßenrand, weil ich Angst habe», betont sie. Am frühen Morgen war eine Passantin gekommen und hatte eine Kerze aufgestellt. Sie habe großes Mitgefühl für die Opfer. Die Stadtverwaltung hat die Flaggen auf dem Vorplatz des Neuen Rathauses auf halbmast gesetzt.

Am Montagnachmittag war ein Mann mit seinem Auto vom Augustusplatz kommend über den Marktplatz gefahren und fuhr dabei mehrere Menschen an. Der 33-jährige deutsche Staatsbürger wurde von der Polizei noch im Auto gestellt und festgenommen. Bei der Tat wurden eine 63-jährige Frau und ein 77-jähriger Mann getötet, drei Menschen wurden schwer verletzt. 

Die beiden Todesopfer seien ebenfalls Deutsche, wie die Polizei mitteilte. Nach Angaben der Polizei sind insgesamt etwa 80 Menschen betroffen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordes in zwei Fällen und versuchten Mordes in mindestens zwei Fällen.

Passanten werden am Tatort betreut

Bereits am Montagabend hatten zahlreiche Menschen am Augustplatz Blumen für die Opfer niedergelegt. Am Morgen nach der Tat liegt dort ein gemaltes Bild im Nieselregen. «Ich hatte am Morgen keine Blume, so lege ich eine Blume aus dem Garten meines Herzens nieder», steht dort.

«Was geht in jemandem vor, der mit Vollgas durch eine Menschenmenge rast und Unschuldige überfährt?», fragt ein sichtlich bewegter 47-Jähriger. Er werde nun immer ein ungutes Gefühl haben, wenn er mit seinem Sohn durch die Stadt schlendere und ein Eis essen wolle. «Die Unbekümmertheit ist weg.» Wenig später steht eine Schulklasse an den Kerzen und Blumen. Es sei ihr ein Bedürfnis gewesen, hierherzukommen und ein Gebet zu sprechen, sagt die Lehrerin. Die Schülerinnen und Schüler sind sichtlich aufgewühlt, einige reiben sich die Tränen aus den Augen.

Die ganze Nacht über und auch noch am Morgen betreuen Spezialisten von der Polizei und auch Mitglieder des Kriseninterventionsteams Passanten am Tatort. Es gebe zahlreiche Fragen zu dem Geschehen und den Menschen sollen auch die Sorgen genommen werden, hieß es. 

Auch die Polizeiseelsorgerin ist seit Montag im Einsatz, um den Beamtinnen und Beamten beim Verarbeiten der schrecklichen Bilder zu helfen. «Im Geschehen sind die Einsatzkräfte hochkonzentriert und wie im Tunnel. Da brauchen sie meine Hilfe eigentlich nicht. Aber im Nachgang müssen die Eindrücke verarbeitet werden», sagte Barbara Zeitler.

Kirchen in der Innenstadt als Raum zum Trauern geöffnet

Am heutigen Montag sind die beiden Kirchen in der Innenstadt - Nikolaikirche und Thomaskirche - geöffnet, um Raum zum Trauern zu schaffen, für Gespräche, Seelsorge und um Kerzen anzuzünden. An der Gedenkveranstaltung in der Nikolaikirche nimmt auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) teil. 

Unterdessen sichern die Ermittler in der Grimmaischen Straße und auf dem Marktplatz noch Spuren. Die Durchfahrt bleibt demnach noch bis zum späten Dienstagnachmittag gesperrt.


Bildnachweis: © Hendrik Schmidt/dpa
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