Auf der «Weltnaturkonferenz» in Rom haben sich fast 200 Länder auf einen mehrjährigen Finanzierungsplan zum Schutz von Natur und Artenvielfalt geeinigt - und dafür seltenes Lob von Umweltschützern bekommen. Vier Monate nach einem Misserfolg in Kolumbien verständigte sich die 16. UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt (COP16) praktisch in letzter Minute auf einen Kompromiss. Die USA waren allerdings nicht dabei. Beschlossen wurde auch eine regelmäßige Überprüfung, wie es mit der Umsetzung der gesetzten Ziele bis 2030 beziehungsweise 2050 vorangeht. Anhand 40 wichtiger Kriterien müssen die Staaten künftig berichten, ob es beim Schutz gefährdeter Arten und Regionen Fortschritte gibt - oder weitere Rückschläge. Insbesondere in ärmeren Regionen der Welt geht die Artenvielfalt seit Jahrzehnten drastisch zurück. Zu den 197 Vertragsstaaten gehört auch Deutschland. Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) lobte die Beschlüsse von Rom als «Lichtblick in schwierigen Zeiten» sowie als «großen Gewinn für die Natur und damit für uns alle». «Es gibt jetzt einen Fahrplan für eine bessere globale Finanzarchitektur und eine Strategie, um mehr Finanzen für die globalen Naturschutzziele zu mobilisieren.» Lob gab es auch von Umweltschützern, die solche Konferenzen oft kritisch kommentieren. Der WWF Deutschland sprach von einem «Hoffnungsschimmer für den Artenschutz und damit für unseren Wohlstand, unsere Gesundheit und Sicherheit auf diesem Planeten». Greenpeace begrüßte, dass sich die Weltgemeinschaft offensichtlich auch ohne die USA den großen ökologischen Krisen stelle. Washington gehört dem Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) von 1992 nicht an. Der ins Weiße Haus zurückgekehrte Präsident Donald Trump will sich auch nicht an die Beschlüsse der Weltklimagipfel halten. Im Grundsatz hatten sich ärmere und reichere Staaten schon vor vier Jahren auf einen «Weltnaturvertrag» mit Zielen verständigt, die bis 2030 erreicht werden sollen. Dazu gehört, mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen zu schützen. Zudem sollten die beteiligten Industrieländer jedes Jahr 20 Milliarden Dollar (etwa 19 Milliarden Euro) zum Schutz der Artenvielfalt bereitstellen. 2030 sollen es dann 30 Milliarden sein. Bis jetzt war jedoch nicht konkret geklärt, wie die Finanzierung geregelt wird. Rom war nach Meinung von Experten dafür die letzte Chance. Das Treffen ging nach drei Tagen kurz vor Mitternacht zu Ende. Im November war die COP16 in der kolumbianischen Stadt Cali noch gescheitert - auch, weil nach zwei Wochen nicht mehr genug Staaten zusammen waren. Viele Delegierte hatten sich schon auf den Heimweg gemacht. Umweltschützer sprachen damals von einer «Blamage». Nun wurde eine überarbeitete «Strategie zur Mobilisierung von Ressourcen» beschlossen, um das Geld zum Schutz der Artenvielfalt zusammenzubekommen. Dazu sollen neben der staatlichen Finanzierung auch der Privatsektor und internationale Entwicklungsbanken in den Blick genommen werden. Das Treffen diente auch der Vorbereitung des nächsten Weltklimagipfels (COP30), der im November in Brasilien stattfindet. Wie groß der Handlungsbedarf ist, zeigt ein Bericht der Umweltstiftung WWF und der Zoologischen Gesellschaft London. Demnach gingen weltweit die Populationen von insgesamt 35.000 Wildtierarten im vergangenen halben Jahrhundert um durchschnittlich 73 Prozent zurück.Umweltministerin Lemke sieht «großen Gewinn» für alle
Einigung erst kurz vor Mitternacht
Privatsektor und Entwicklungsbanken sollen helfen
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«Hoffnungsschimmer»: UN-Naturkonferenz beschließt Finanzplan
Die Artenvielfalt ist weltweit gefährdet. Nach einem Misserfolg vor vier Monaten gelingt es ärmeren und reicheren Staaten, sich auf einen Kompromiss zu einigen. Umweltschützer sind angetan wie selten.
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