In Krankenhäusern gibt es Auszubildenden-Stationen schon häufiger. In der stationären Pflege dagegen sind sie eine Seltenheit. Noch, könnte man sagen, denn mit großem Interesse hat sich vor wenigen Tagen die Diakonie Stiftung Salem (Minden) im Evangelischen Altenzentrum Ernst-Barlach-Haus (EBH) in Sennestadt umgeschaut. Dort hat „DeineDiakonie“* eine auf Dauer angelegte Auszubildenden-Station eingerichtet, in enger „Lernort-Kooperation“ mit zwei Pflegeschulen aus Bethel. Ziel ist es, die Pflegeausbildung weiterzuentwickeln, stärker an der Berufspraxis auszurichten und so insgesamt attraktiver zu gestalten.
25 Bewohnerinnen und Bewohner werden im Wohnbereich IV des EBH von bis zu zehn Auszubildenden pro Tag betreut. Diese arbeiten eigenverantwortlich. „Dabei erhalten sie intensive Unterstützung von drei Praxisanleitenden“, erläutert Markus Friedrich, Leiter des Qualitäts- und Bildungsmanagements von „Deine Diakonie“. Die Azubis können ihren Praxiseinsatz aktiv mitgestalten. Außerdem übernehmen sie – natürlich unter Aufsicht – Verantwortung als Bereichs- oder Schichtleitende.**
„Wie haben sie das gemacht?“
Von 2016 bis 2020 hatte die Ev. Pflegeakademie der Diakonie Stiftung Salem bereits selbst ein Projekt mit dem Titel „Azubis leiten einen Wohnbereich“ durchgeführt. Das Ende des sehr erfolgreichen Projekts kam durch Corona, wie die Stiftung berichtet. Kürzlich wurde dann Praxisanleiterin Nicole Gerberding vom Stift Lahde durch einen Fachartikel auf die Auszubildenden-Station im EBH aufmerksam. „Uns interessierte: Was haben sie in Sennestadt auf die Beine gestellt und vor allem: Wie haben sie das gemacht?“, so Nicole Gerberding. Schnell war ein Besuch vereinbart. Insgesamt ließen sich drei interessierte Gäste im Ernst-Barlach-Haus von Einrichtungsleiterin Natalya Dyachuk sowie von EBH-Pflegedienstleitung Kateryna Tissen und Markus Friedrich die Station zeigen und das Konzept erläutern.
Nicole Gerberdings Fazit: „Es war ein schöner Tag. Das Konzept fand ich sehr gut. Es hat zum Beispiel Vorteile, alle Auszubildenden auf einem Bereich zu betreuen. So bekommen wir als Praxisanleitungen alles leichter unter einen Hut und können die Einzelnen gezielter ansprechen.“ Deutlich geworden sei auch, dass es genügend Praxisanleitende geben muss, um Dienste auch an den Wochenenden, an freien Tagen und in den Spätschichten abzudecken. In Minden wird Sylvia Fischer, Pflegedienstleitung im Stift Lahde, beim nächsten Treffen der Pflegedienstleitungen die gewonnenen Eindrücke und Vorgehensweisen im Kreise Ihrer Kolleg:innen vorstellen, bevor womöglich erste Schritte für eine eigene Ausbildungsstation in der stationären Pflege folgen.
Dazu Karsten Stüber, Vorstand von „DeineDiakonie“: „Das Interesse der Diakonie Stiftung Salem an unserem neuen Ausbildungskonzept freut uns ganz besonders. Schließlich handelt es sich um den größten Arbeitgeber im Raum Minden, mit rund 100 Einrichtungen und etwa 3.000 Mitarbeitenden. Jedes Jahr werden dort ca.150 Menschen ausgebildet. Uns würde es viel bedeuten, wenn wir unsere Nachbarn dabei konzeptionell unterstützen könnten.“
Infokasten
Je nach Ausbildungsstand übernehmen die Auszubildenden auf ihrer Station im EBH unterschiedliche Aufgaben. Im ersten Drittel der Ausbildung führen sie zum Beispiel grundlegende pflegerische Tätigkeiten durch, erheben Vitalwerte, führen Biografie-Gespräche oder vertiefen ihre Kenntnisse in der Pflegedokumentation. Später erweitern sie ihr Aufgabenfeld: Sie übernehmen Aufgaben in der Behandlungspflege, begleiten Beratungsgespräche oder assistieren bei der Wundversorgung. Gegen Ende ihrer Ausbildung tragen sie die volle Dienstverantwortung – von der Dienstplanung über Gespräche mit Angehörigen bis hin zum Planen und Umsetzen von Maßnahmen zur Qualitätssicherung.
Fotos: © Deine Diakonie / Maylin Igrek

