19. Dezember 2025 / Aktueller Hinweis

IHK-Außenwirtschaftsforum: Geschäft mit China wird komplexer

Rund 80 Unternehmerinnen und Unternehmer tauschten sich beim IHK-Außenwirtschaftsforum über die Zukunft des China-Geschäfts aus

Die sich wandelnden Handelsbeziehungen mit China stellen ostwestfälische Unternehmen vor neue Herausforderungen. Im Fokus des 31. Außenwirtschaftsforums der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) standen deshalb die aktuellen Wirtschaftsbeziehungen mit der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Rund 80 Unternehmerinnen und Unternehmer nahmen an der Vortragsveranstaltung und anschließenden Diskussionsrunde in der IHK in Bielefeld teil. „Für viele unserer Unternehmen in Ostwestfalen war China über Jahrzehnte hinweg ein Synonym für Wachstum, Dynamik und Marktchancen. Kaum eine internationale Erfolgsgeschichte eines deutschen Mittelständlers kam in den vergangenen Jahren ohne das Kapitel China aus“, erklärte IHK-Präsident Jörn Wahl-Schwentker. Gleichzeitig betonte er, dass das Umfeld zunehmend komplexer werde, was eine Neubewertung und gezielte Anpassung des Engagements erfordere – nicht als Rückzug, sondern als Chance zur strategischen Weiterentwicklung.

Die aktuellen Entwicklungen im deutsch-chinesischen Handel zeigen, dass wirtschaftliche Abhängigkeiten neu ausbalanciert werden müssen. Nach Hochrechnungen der Germany Trade & Invest (GTAI) dürfte Deutschland im Jahr 2025 Waren im Wert von rund 168 Milliarden Euro aus China importieren – ein Plus von 7,1 Prozent gegenüber 2024. Die Exporte nach China sinken voraussichtlich leicht auf 80,4 Milliarden Euro, wodurch ein Handelsdefizit von etwa 87 Milliarden Euro entsteht. „Diese Zahlen verdeutlichen die Notwendigkeit, bilaterale Handelsstrategien gezielt weiterzuentwickeln“, so Wahl-Schwentker.

China habe in diesem Jahr begonnen, die Ausfuhr von für die Industrie wichtigen seltenen Erden und beispielsweise Permanentmagneten zu beschränken. „Kritische Abhängigkeiten unsererseits unter anderem bei Rohstoffen, chemischen Vorprodukten und Bauteilen für die Automobilindustrie machen deutlich, wie wichtig eine enge Abstimmung und Zusammenarbeit mit China bleibt“, erläuterte der IHK-Präsident. 

Dr. Michael Schaefer, Botschafter a. D. und Mitglied des Präsidiums der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen e. V., Berlin, riet zu einer differenzierten Betrachtung: „China als bloßen Rivalen zu sehen, greift zu kurz. Die historische Erfahrung des Landes ist geprägt vom Streben nach Selbstbestimmung und dem Willen, frühere Demütigungen nicht zu wiederholen.“ Das politische Einparteiensystem und wirtschaftliche Freiheit stünden dabei keineswegs im Widerspruch. Peking setze seit Jahren auf den Abbau eigener, kritischer Abhängigkeiten, den Ausbau von Partnerschaften im globalen Süden und die Stärkung seiner geopolitischen Position. Die Folge sei eine Re-Globalisierung, in der sich das weltwirtschaftliche Gewicht zunehmend vom Westen in den Osten verlagere. „Mehr mit China reden statt über China“, lautete Schaefers Fazit.

Dass dieser Austausch auf praktischer Ebene bereits stattfindet, verdeutlichte Oliver Oehms, Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Peking: „Rund ein Drittel des Wissenstransfers läuft mittlerweile von chinesischen zu deutschen Unternehmen vor Ort. Auch der Druck auf chinesische Unternehmen, neue Absatzmärkte zu finden, kommt auch deutschen Firmen in China zugute.“

Dr. Cora Francisca Jungbluth, Senior Expert China and Asia-Pacific, Bertelsmann Stiftung, betonte ebenfalls Chancen, mahnte aber zugleich: „Derisking kann auch heißen, mehr in China zu investieren. Unternehmen können ihre Präsenz nutzen, um unabhängiger von geopolitischen Risiken zu werden und von den Möglichkeiten des Marktes zu profitieren. Wichtig ist jedoch, dass sich Unternehmen auch auf ein Worst-Case-Szenario einstellen und dafür Vorbereitungen treffen.“

Heiner Wemhöner, Gesellschafter der Wemhöner Surface Technologies GmbH & Co. KG, forderte „Respekt statt Angst“ im Umgang mit China: „Wenn wir nicht präsent sind, kaufen chinesische Kunden bei lokalen Firmen. Der direkte Austausch und das Vor-Ort-Erleben sind entscheidend.“ Matthias Getzlaff, Geschäftsführer der STÜBBE GmbH & Co. KG, hob die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen hervor: „In China produzieren wir deutsche Qualität zu nahezu chinesischen Preisen. Entscheidend ist, sich schnell auf den Markt einzustellen, da dort eine ganz andere Marktgeschwindigkeit herrscht.“  

 

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